Über

Photo by Julia Gaisbacher

Die Vereinigung bildender Künstlerinnen Österreichs (VBKÖ) wurde 1910 gegründet und eröffnete kurz darauf ihren Standort im ersten Wiener Bezirk, wo sie bis heute zu finden ist. Historisch gehörte die Vereinigung den frühen Künstlerinnenbewegungen an und besaß Pionierstatus: Sie betrieb Lobbyarbeit für Frauen, um ihre Interessen in künstlerischer, ökonomischer und bildungsbezogener Hinsicht zu verbessern, ihre Repräsentation zu erhöhen und ging internationale Kooperationen ein.

Organisationen wie die VBKÖ führen die Komplexität und Widersprüche einer zeitgenössischen feministischen Geschichtsschreibung vor: Hier trifft die empanzipatorische Geschichte der künstlerischen Frauenbewegung, die bis in die Zeit des Imperialismus zurückreicht und die es immer noch in eine offizielle Kunstsgeschichtsschreibung rein zu reklamieren gilt, auf die Geschichte der Kollaboration mit dem nationalsozialistischen Regime. Die durch historische und vereinsinterne Brüche entstandenen Wissenslücken in Bezug auf die eigene Geschichte, Geschichtsschreibung und -forschung, geraten nicht nur nationalsozialistische, sondern auch klassenspezifische und koloniale Verstrickungen der Vereinigung leichter in Vergessenheit. Eine der größten Herausforderungen ist es daher, Strukturen weiter aufzubauen und Prozesse einzuleiten, die es ermöglichen historische Narrationen immer wieder neu zu untersuchen,  Reflexionsprozesse in Gang zu halten und dieses Wissen öffentlich zu machen und zu diskutieren.

Die VBKÖ positioniert sich heute als ein Ort, der zeitgenössische, feministische, künstlerische Agenden pflegt, der einen Raum für Experimente bietet und politische und aktivistische Arbeit fördert, um eine neue, lebendige Verbindung zwischen der historischen Auseinandersetzung und der zeitgenössischen, queeren, feministischen Kunstproduktion herzustellen.

Eine der jüngsten Bemühungen der VBKÖ ist die Öffnung des Raumes für den Deutschunterricht für geflüchtete Personen. Durch die Zusammenarbeit zwischen Aktivistinnen* und Künstlerinnen* findet ein interaktiverer und praxisbezogener Lernansatz und Wissensaustausch statt. Dieser kostenlose Unterricht steht geflüchteten Personen zur Verfügung, die nicht in der Lage sind einen Deutschkurs zu bezahlen, von anderen Institutionen abgelehnt wurden, oder ihre Deutschkenntnisse vervollständigen möchten. Die Menschen können durch den Austausch mit Künstlerinnen* und durch die Interaktion mit dem Raum und den Kunstwerken, praktischere und angewandtere Perspektiven erlernen, die sie in ihrem Alltagsleben in Österreich einbringen können.