Intentionen

IN FREUNDSCHAFT ORGANISIEREN!

Ich fühle mich zu der Idee des Zusammenlebens und des Teilens von gemeinsamen Gedanken und Handlungen hingezogen, und zwar in einer Weise, dass das, was geteilt wird, nicht Dinge, Objekte, Eigentum, Qualitäten (wie Brüder, Männer, Franzosen, Künstler*innen, oder was auch immer) sind. Es geht vielmehr um eine Tätigkeit, einen Prozess der Koexistenz, der durch handeln und denken in Gang gesetzt wird. Das schlägt einen Assoziationsprozess vor, in dem offen bleibt, was oder wer daran teilhaben kann.
Céline Condorelli, “Reprint (in friendship)”, Mousse 32, 2012

Im Kunst- und Kulturfeld sind Freundschaften, kollektives Arbeiten und Netzwerke strukturell und ökonomisch eng miteinander verstrickt und machen einen wichtigen Teil künstlerischer und kultureller Produktion aus. Einerseits stellen Freundschaften und Netzwerke in selbstorganisierten, kollektiven Kontexten Formen von Verbindlichkeiten dar, die gemeinsame Produktivität und gegenseitige Unterstützung fördern, andererseits können solche Konstellationen aber auch überfordern. Das gemeinsame Arbeiten an einer Aufgabe findet aus freiwilligen Stücken statt und der persönliche Einsatz ist hoch. Vor lauter Begeisterung für den gemeinsamen Raum werden Arbeitsstunden leicht vergessen und Zusatzaufgaben schnell übernommen. In solchen meist unterfinanzierten Situationen ist es den Beteiligten theoretisch zwar möglich, sich zurückzunehmen, nicht zu wollen, oder nicht zu können, praktisch ist das jedoch nicht immer so einfach. Auch wenn Freundschaft für prekäre Gruppen einen schützenden Rahmen bietet, ist es nicht leicht sich abzugrenzen, oder Konflikte auszutragen, denn die Verantwortlichkeiten sind hoch und die Erwartungen an die Freund*in ebenso.

Was bedeutet nun in der Praxis der Anspruch neue oder andere Formen der Freundschaft und Netzwerke zu bilden? Wie können sich aus Freundschaften Netzwerke und Aktionsgruppen kristallisieren, die sich abseits eingeübter, normativer Praxen formieren und über identitäre Positionierungen hinausgehen? Wie kann Freundschaft als politische und künstlerische Strategie eingesetzt werden? Wie kann die VBKOE in ihrer Bedeutung als Ort verknappter Ressourcen, die aufgeteilt werden wollen, verbindlich und freundschaftlich eingenommen werden? Welche Strukturen können geschaffen werden, damit aller Prekarität und Verantwortung zu trotz, der Spaß am Tun erhalten bleibt, es auch Raum für Konflikte gibt und aufeinander geschaut wird?

Mit diesen konkreten Fragen schließt das aktuelle Jahresprogramm an die Programmierung von 2013 an. Die anvisierten Projekte, Ausstellungen, Performanceprogramme, Vortragsreihen, Videoprogramme, Workshops und Künstler*innengespräche werden feministische, queere Praxen als Ausgangspunkt nehmen, um mit unterschiedlichen Mitteln das Potential und die Prekarität von Freundschaft im Kontext gemeinsamer Arbeit zu beleuchten.

Vorstand:
Elke Auer, Veronika Dirnhofer, Lina Dokuzovic, Hilde Fuchs, Nina Hoechtl, Ruby Sircar, Esther Straganz, Julia Wieger