Über die VBKÖ
1910-2010
Das diesjährige Jahrhundertjubiläum der VBKÖ verweist auf die seit Jahrhunderten weltweit agierenden frauenbewegten und feministischen Aktivismen in der Kunst, die Widerstand gegen den Ausschluss von Frauen und Künstlerinnen aus den Institutionen leisten. Ihr von Anbeginn internationales Ausstellungsprogramm wurde von Pionierinnen wie etwa Olga Brand-Krieghammer (1. Präsidentin), Marie Egner, Rosa Mayreder, Tina Blau, Olga Wisinger-Florian, Helene Funke, Käthe Kollwitz, Sofonisba Anguissola, Angelika Kaufmann oder Berthe Morisot geprägt. 1912 mietete sich die VBKÖ nach Pariser Vorbild Räumlichkeiten in einem Dachgeschoss in der Wiener Innenstadt an, um von nun an ungehindert und gänzlich selbstbestimmt an der Verbesserung der „wirtschaftlichen und künstlerischen Verhältnisse von Künstlerinnen“ zu arbeiten.
Zu ihren ersten politischen Erfolgen zählen u.a., dass Staats/Preise auch an Künstlerinnen ergingen, dass Jurien mit Künstlerinnen besetzt wurden, oder dass die Akademie bildender Künste Wien 1920 auch für Studentinnen zugänglich wurde. Im Verlauf der ersten Hälfte des 20. Jh. entwickelten sich ausgehend vom zunehmend „etablierten“ Programm der VBKÖ aber auch kollektive Dynamiken, die einerseits zwar zu Abspaltungen einzelner Künstlerinnengruppierungen (1919 Freie Vereinigung, 1926 Wiener Frauenkunst), andererseits aber auch zu starken Profilierungen diskursiver, die Diskussion um eine „Weibliche Ästhetik“ in den 1970er-Jahren antizipierender Positionen führten.
1938 wurde die VBKÖ im Gegensatz etwa zur nunmehr aufgelösten Wiener Frauenkunst „freigestellt“. Das bedeutete, dass sie nach der Implementierung nationalsozialistischer Vorgaben in ihre Vereinsagenden (Statuten- und Namensänderung, Arisierung ihrer Mitgliederinnen...) in Form von Ausstellungsorganisationen weiterhin aktiv sein konnte, sollte bzw. wollte.
In der zweiten Hälfte des 20. Jh. kam es aufgrund des historischen Bruches durch die NS-Zeit verstärkt zum Vergessen allen revolutionären, emanzipatorischen Potenzials der ersten künstlerischen Frauenbewegung Österreichs. Die sich durch Namen wie VALIE EXPORT oder IntAkt (Internationale Aktionsgemeinschaft, gegr. 1977) in den 1970er-Jahren andernorts formierende Neue Frauenbewegung setzte nahezu ohne Wissen um ihre pionierinnenhaften Vorläuferinnen ein. Festzuhalten ist, dass sich - nicht zuletzt aus kulturpolitischen Gründen heraus - keine der bahnbrechenden Interessenvertretungen als politische Ansprechpartnerin zu etablieren und über die Zeit ihres Bestehens innovativ zu halten vermochte.
Ein Relaunch der VBKÖ in den 1990er-Jahren hatte neben einer kritischen inhaltlichen Aufarbeitung ihrer Geschichte auch den neuerlichen Aufbau eines zeitgenössischen Kunst- und Atelierprogramms in den historischen Vereinsräumlichkeiten zur Folge. Nach wie vor stehen die Förderung der Interessen von Künstlerinnen sowie die Auseinandersetzung mit performativen queeren Identitätspolitiken, Feminismus und Gesellschaft im Zentrum des aktuellen Arbeitsansatzes. Dies wird von international agierenden KünstlerInnen, TheoretikerInnen und KuratorInnen in unterschiedlichen Ausstellungs- und Projektformaten, Publikations- und Forschungsprojekten realisiert.
Rudolfine Lackner
Fotografin der Schulen Nan Goldin, Friedl Kubelka und Elfie Semotan; Philosophie- und Kunstgeschichtestudium; seit 1998 Präsidentin der VBKÖ, Gründung des Ateliervergabeprojektes an Künstlerinnen in der VBKÖ sowie Aufbau eines zeitgenössischen Kunstprogramms mit feministischer Ausrichtung, 2004 Zugänglichmachung des historischen Vereinsarchivs der VBKÖ, 2006 Publikation der ersten kritischen Geschichtsaufarbeitung seitens der VBKÖ: Das Findbuch zur Vereinigung bildender Künstlerinnen Österreichs, 2007 Zugänglichmachung der restaurierten Kunstsammlung der VBKÖ, Herausgeberin von Names Are Shaping Up Nicely! Gendered Nomenclature in Art, Language, Law, and Philosophy (Vienna: VBKÖ, 2008)
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