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Aus einem Brief von Johannes Itten an Anna Höllering vom 1. April 1919. In: Johannes Itten, Werke und Schriften. Herausgegeben von Willy Rotzler, Zürich 1972 | |
Johannes IttenAnna Höllering war eine der ersten Malschülerinnen von Johannes Itten in Wien. Zwischen Itten und Anna Höllering, die er auch die „Gotische” nannte, entwickelte sich eine sehr enge Freundschaft. Während seiner Wiener Lehrtätigkeit schrieb er ihr in den Jahren 1917 bis 1919 zahlreiche Briefe über seine Studien, seine Ausflüge und über seine Besuche am Semmering bei Alma Mahler-Gropius, seine Vortragskonzepte über malerische Form und Farbkomposition. Mehrere Gedichte und Federskizzen widmete Itten seiner Freundin Anna. In einem Brief vom 1. April 1919 schreibt Itten: „Meine liebste Anna, Mit lehmigen Händen schreibe ich Dir in später Nacht. Die letzten liebkosenden Bewegungen glitten über meine neue Plastik. Oh, ich hoffe, sie wird vor Deinen lieben Augen Gnade finden. Ich meine fast, dass sie nun die schönste von allen ist [...].” Selbst nach seiner Berufung im Oktober 1919 an das Bauhaus in Weimar blieb der Briefkontakt einige Zeit aufrecht. Vorübergehend wurde im Frühjahr 1918 das intensive Verhältnis durch Ittens Beziehung zu Emmy Anbelang, einer Freundin Anna Höllerings, getrübt. Itten wollte Emmy Anbelang im Frühjahr 1919 heiraten, Emmy starb jedoch im Dezember 1918 an der Spanischen Grippe. Durch Anna Höllering lernte Itten das Werk Adalbert Stifters kennen. Im Mai 1919 veranstaltete sie im Rahmen von Ittens Ausstellung in der „Freien Bewegung” eine Dichterlesung, bei der auch der Komponist Josef Matthias Hauer anwesend war. Hauer widmete Anna Höllering seine Klavierkomposition Nachklangstudien, op. 16. Über Ittens Vermittlung wurde Anna Höllering ans Weimarer Bauhaus für eine Dichterlesung eingeladen. |

