Daimon

1918 gibt Jakob Levy Moreno die Zeitschrift Daimon heraus, in kürzester Zeit wird diese Publikation zu der führenden Schrift des österreichischen Expressionismus. In dieser literarischen Zeitschrift, deren Titel 1919 in Der neue Daimon und 1920 in Die Gefährten umbenannt wird, finden sich neben Morenos eigenen Schriften Beiträge von Albert Ehrenstein, Franz Werfel, Hugo Sonnenschein, Franz Blei, Emil Adolph Reinhardt, Jakob Wassermann, Max Brod, Fritz Lampl. Die Beiträge können einem messianischen Expressionismus, der über soziale und nationale Grenzen hinaus nach Brüderlichkeit und Menschlichkeit strebt, zugeordnet werden.

Daimon

Zunächst im sozialdemokratischen Verlag der Brüder Suschitzky erschienen, wird die Zeitschrift im Juni 1919 vom Genossenschaftsverlag, einem von den Autoren auf genossenschaftlicher Basis geführten Verlagsunternehmen, übernommen. Obgleich die wichtigsten Literaten und politischen Autoren der damaligen Zeit - so gehörte auch Alfred Adler zum Genossenschaftsverlag - als Beiträger versammelt waren, scheint die künstlerische Anerkennung und der Bekanntheitsgrad dem Schriftsteller und Selbstdarsteller Moreno versagt geblieben zu sein. Zu den untereinander eng verflochtenen literarischen Kreisen der damaligen Zeit fand er kaum Zugang, ein Umstand, der wahrscheinlich auf seine Ablehnung, sich zu assimilieren, zurückzuführen ist. Teil der jüdisch-kabbalistischen Tradition ist das Bekenntnis zur Anonymität, der Moreno sozialdemokratisches Gedankengut hinzufügte.

Daimon. Eine Monatsschrift. Herausgegeben von Jakob Levy Moreno. Wien 1918. Titelblatt