Anna Höllering im Stegreiftheater
Die Schauspielerin und Malerin Anna Höllering, geboren 1895 in Wien, war in den Jahren 1923 und 1924 Aktivistin in Levy Morenos Stegreiftheater. Über Annas Vermittlung, die selbst in der Vereinigung bildende Künstlerinnen tätig war, kam Jakob Levy Moreno in die Maysedergasse. Anna Höllering, ihr Vater war Musiker, Generalsekretär der „Gesellschaft der Musikfreunde” und Direktor des Wiener Komödienhauses, studierte an der Wiener K.u.K. Akademie für Musik und darstellende Kunst. Eine ihrer Mitschülerinnen war Elisabeth Bergner, mit der sie eng befreundet war. Anna Höllering spielte im Wiener Komödienhaus, in der Wiener Volksbühne und in der Neuen Wiener Bühne. Zu den Schauspielern der Neuen Wiener Bühne zählten unter anderem Elisabeth Bergner, Alexander Moissi, Otto Tressler und Paul Wegener.
Die Schauspielerin Anna Höllering widmete sich aber auch der bildenden Kunst und nahm privaten Malunterricht bei Johannes Itten, mit dem sie eine enge Freundschaft verband. Im Jänner 1923 heiratete sie den expressionistischen Schriftsteller Georg Kulka, der seit 1920 im Verlag Eduard Strache in Wien arbeitete, Lyrik und Prosa publizierte, u.a. in Levy Morenos Zeitschrift Die Gefährten. Gemeinsam mit seiner Frau spielte Georg Kulka auch in Levy Morenos Stegreiftheater in der Maysedergasse. Insbesondere Annas spontan improvisierten Szenen über ihre Alltagsprobleme waren eine wichtige Erfahrung für Levy Moreno, der die befreiende Wirkung darstellenden Spiels erkannte. Als Georg Kulka sich 1929 das Leben nahm, ging Anna Höllering nach Berlin, wo sie u.a. 1930 im Theater am Schiffbauerdamm in Die letzte Nacht von Karl Kraus die Rolle einer Kriegsberichterstatterin spielte und jahrelang als Film-Cutterin tätig war. Anna Höllering starb 1987 in Natschbach (bei Neunkirchen in Niederösterreich).
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