Jacob Levy Moreno in WienJakob Levy Moreno wurde am 18. Mai 1889 als Jacob Levi in Bukarest geboren. Sein Vater war Moreno Nissim Levy, sephardischer Jude und Kaufmann. Finanzielle Mißerfolge und später auch die Trennung von seiner bedeutend jüngeren Frau Pauline Iancu prägten Jakobs Kindheit. Erste religiöse Begegnungen finden in der sephardischen Bibelschule statt. Jacobs Mutter Pauline Iancu, ebenfalls sphardisch-jüdischer Abstammung, die nach dem frühen Tod ihres Vaters einige Jahre in einem katholischen Konvent in Bukarest verbrachte, vermittelt ihm die Wertschätzung für die Botschaft Jesu Christi. Zum Teil sehr verwoben mit der jüdischen und christlichen Überlieferung bildet der Volksglaube eine weitere Quelle für Morenos Religiosität. In einer Selbstdefinition wählt er den 16. Mai 1892, den Gedenktag der Vertreibung der Juden aus Spanien, als Tag seiner Geburt. Als Mentor einer neuen Zeit stilisierte er sich zu Gott-Vater und wird einige Jahre später den Namen seines Vaters Moreno annehmen, an dessen Stelle er tritt und gleichzeitig zum Inbegriff aller Väter dieser Welt wird. So nannte er sich auch selbst „Der Vater”. Einen entscheidenden Lebensabschnitt verbringt Jakob Levy Moreno in Wien, wo er nach der Übersiedlung der Eltern seine Kindheit, Jugend und Studienzeit verlebt. Wien bleibt Zentrum seiner Aktivitäten - selbst als er 1918 Gemeindearzt in Bad Vöslau wird - , bis er schließlich 1925 nach Amerika emigriert. Über die frühen Wiener Jahre Morenos gibt es nur wenige gesicherte biographische Angaben, denn Morenos Berichte über seine Lebensgeschichte müssen kritisch hinterfragt werden und entsprechen bisweilen seinen Träumen und Wünschen, sind als „psychodramatische Wahrheit” zu verstehen. Nach der Scheidung der Eltern verläßt er die Mittelschule, holt aber die schriftliche und mündliche Abschlußprüfung nach, um als ordentlicher Hörer an der Universität Wien studieren zu können. 1911 beginnt er mit seinem Medizinstudium bei den Professoren Otto Pötzl, dem Nachfolger Julius Wagner-Jaureggs, und Julius Tandler, dem späteren Wiener Gesundheitsstadtrat. 1917 schließt er sein Medizinstudium erfolgreich ab. Vorlesungen aus Philosophie und der experimentellen Psychologie bei Adolf Stöhr, einem Schüler des Philosophen und Physikers Ernst Mach, ergänzen und erweitern sein Medizinstudium. Die Hauptstadt der zerfallenden habsburgischen Monarchie und die nach dem ersten Weltkrieg errichtete Republik Österreich stehen im Leben Morenos für die Zeit der Entwicklung und experimentellen Erprobung seiner Visionen und konkreten Projekte, mit denen sich Moreno immer wieder in sozialen und politischen Randbereichen der Gesellschaft engagiert. Sie markieren gleichzeitig die Erfahrungskontexte, in denen die therapeutische Philosophie ihre Gestalt gewinnt und Praxisfelder findet. Exemplarisch sei auf Morenos Arbeit mit Prostituierten in Wien (1913/14) und seine Tätigkeit als Arzt im Flüchtlingslager Mitterndorf (1915-1917) während des ersten Weltkrieges hingewiesen. Als Ausländer rumänischer Herkunft und türkischer Staatsbürgerschaft war Moreno vom Kriegsdienst befreit, hatte aber auf privater Basis mit der Betreuung und Versorgung von Kriegsflüchtlingen begonnen. |
Jakob Levy Moreno in Bad Vöslau, um 1920. In: J.L. Moreno,
Auszüge aus der Autobiographie. Herausgegeben von Jonathan D. Moreno. Köln 1995
Wohnhaus und Ordination von J.L. Moreno von 1918 bis 1925.
Maital 4, Bad Vöslau. Postkarte
Jakob Levy Moreno. Postkarte mit Porträtzeichnung.
(Symposium zum 100. Geburtstag von J.L. Moreno 19.-21. Mai 1989, Bad Vöslau) |

Wohnhaus und Ordination von J.L. Moreno von 1918 bis 1925.
Jakob Levy Moreno. Postkarte mit Porträtzeichnung.