100 Jahre VBKÖ
2010 feiert die VBKÖ ihr hundertjähriges Bestehen. Sie wurde 1910 als erste
Künstlerinnenvereinigung Österreichs in Wien gegründet. Anlässlich dieses
Jahrhundertjubiläums
wird ein Jahresprogramm präsentiert, das sich aus theoretischen Aktivitäten (siehe unten) und einer sich
erweiternden Jahresausstellung zusammensetzt. Alle Veranstaltungen nehmen dabei Bezug auf die historische
Herkunft der VBKÖ im Außen androzentrischer Institutionstotalitäten und auf aktuelle Anknüpfungspunkte
vorwiegend feministisch geprägten Widerstands. Die Künstler_innengruppe Drogerie wird das Programm durch
ihr Ausstellungssetting über das Jahr begleiten.
Kuratorin: Rudolfine Lackner
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Revolutionäre Systeme aktualisieren, Tatsysteme konfrontieren
8. März 2010
Revolutionäre Systeme aktualisieren
Der zeitliche Abstand zwischen dem Ursprung von patriarchalen Institutionssystemen und dem Anfang von
frauenbewegten, gegen-institutionellen Systemen ist nicht so groß wie es scheint. Auch nicht der zwischen
den da einsetzenden ersten revolutionären feministischen Selbstinstitutionalisierungen und deren fortwährenden
Aktualisierungen. In der Kunst wenden sich feministisch geprägte Institutionsdiskurse seit Jahrhunderten gegen
machtvolle Universalismen und normative Einsetzungsverfahren. Um den diesen Verfahren inhärenten systematischen
Ausschlusstechnologien etwas entgegenzusetzen, begannen sich international Einmischungsstrategien mit
widerständigen Handlungskontinuitäten herauszubilden.
Ein Projekt, das nun diesen Zusammenhängen seit dem 19. Jh. für die Situation
hierzulande und weltweit nachgeht, ist das seit Februar 2010 im Eingang zur VBKÖ
in der Maysedergasse 2, 1010 Wien laufende "tribute to". Es nimmt dabei - wie alle anderen Veranstaltungen
im Jahr des Jahrhundertjubiläums der VBKÖ - Bezug auf ihre historische Herkunft im Außen androzentrischer
Institutionstotalitäten bzw. auf neue Anknüpfungspunkte feministischen Widerstandes. Das Projekt interveniert
in Form von Postern und mittels Textauszügen aus programmatischen (institutionellen) Schriften aktivistischer
Künstlerinnenzusammenschlüsse im öffentlichen Raum.
Das erste Poster war der VBKÖ als erster Künstlerinnenvereinigung Österreichs selbst gewidmet.
"Förderung Wahrung Hebung Schaffung" waren die zentralen Leitbegriffe aus ihrem Programm von
1910. Die der ersten uns bekannten Künstlerinnenvereinigung überhaupt lauteten "to extend the limited,
to display, sell". Sie stammen von der Society of Women Artists (SWA), die 1855 in London gegründet wurde.
Der März stand bisher im Zeichen der jüngsten Künstlerinnengruppierung, um die wir wissen, der im Jahr 2000
gegründeten Taiwan Women's Art Association (WAA). "Fang Fa, Ti Gong, Fa Sheng, Zahn Shi" ("methods, to
provide, to voice out, to showcase") sind Schlagworte, die nicht nur ihre kulturpolitischen Ziele auf
den Punkt bringen, sondern auch - wie die Kooperation mit WAA zeigte - dass die Traditionslinien der
thematisierten Mobilisierungen sich aufständisch weiter zu aktualisieren haben.
Tatsysteme konfrontieren
Zugleich wird in diesem Jahr jenen pionierinnenhaften Aufbrüchen eine besondere Aufmerksamkeit
gewidmet, die in folgenschwerer Weise mit der Mit-/Täterinnengeschichte der VBKÖ während der
NS-Zeit verbunden sind bzw. mit den ungleich involvierten Spektren davon. Solchen, die zunächst
ausgelöscht wurden und schließlich im Verlauf der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Österreich
auf dem Weg der Funktionalisierung des Vergessens von Auschwitz ganz verschwanden.
Der internationale Frauentag am 8. März 2010 bietet nun einen würdigen Rahmen, zweier
Künstlerinnengruppierungen zu gedenken, denen maßgebliche kulturpolitische Leistungen
im Dienste der künstlerischen Frauenbewegung in Österreich zuzuschreiben sind, dem Wiener
Arbeitsbund (gegr. 1902 als Wiener Kunst im Hause, Abb. oben links) und der Wiener Frauenkunst
(gegr. 1926-1938/1946-1956). Beide wurden 1938 durch NS-Gleichschaltungsmaßnahmen aufgelöst und
in die nunmehr für den massiven Bruch der bisher beschriebenen Kontinuitäten emanzipatorischer
Konzepte stehende VBKÖ "eingegliedert". Sowohl vom Wiener Arbeitsbund als auch von der Wiener
Frauenkunst waren nach vorläufigen Auswertungen während des Nationalsozialismus jedoch nur
mehr weniger als die Hälfte der bislang bekannten Künstlerinnen weiterhin in der VBKÖ tätig.
Beiden Netzwerken, ihren institutionentheoretischen Hintergründen und individuellen
vertriebenen, emigrierten oder ermordeten Künstlerinnenschicksalen gehen mehrere
wissenschaftliche und künstlerische Forschungs- und Publikationsprojekte sowie
Veranstaltungen der VBKÖ erstmals auf den Grund. Das Posterinterventionsprojekt
"tribute to" ist eines davon. Es handelt von wegbereitenden, ausgelöschten,
vergessenen, aktuellen und zukünftigen kämpferischen Einsetzungsstrukturen
frauenbewegter, feministischer künstlerischer Aktivismen weltweit. Insbesondere
handelt es erstmals von einer über hundertjährigen solchen Struktur in der Kunst
des 19. und 20. Jahrhunderts in Österreich.
"tribute to" ist in Projekt von Amanda Amaan und Rudolfine Lackner
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