Didto’s Amoa (Woher wir kommen)

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Im kulturellen Sprachgebrauch der philippinischen Diaspora beschreibt “balikbayan” wörtlich “balik” (zurückkehren) und “bayan” (Stadt), das Zurückkehren von permanent im Ausland lebenden Filipinos als TouristInnen. Der Begriff “balikbayan” bezeichnet damit nicht nur eine veränderte Raumwahrnehmung (das Heimatdorf, die Heimatstadt wird nun durch die Linse des zeitlich begrenzten Tourismusaufenthalts betrachtet), sondern auch einen radikal anderen Identitätsbegriff, der durch Flüchtigkeit anstatt durch Permanenz definiert wird, und somit nicht durch die mit der Heimat allgemein assoziierte Stabilität sondern mit Mobilität in Verbindung gebracht wird.

Was der Terminus “balikbayan”, dieses temporäre Zurückgekehrtsein, jedoch verschweigt, sind die verschiedenen Formen, die dieses Zurückkehren annehmen kann. Während man einerseits in den Wochen oder Monaten die man in der Heimat verbringt (eine Dauer die durch die Auflagen des Arbeitskontextes bestimmt wird) ein “balikbayan” wird, kehrt man auch, auf vielfältige Weisen, sporadisch, stoßweise in die Heimat zurück, durch die eigene Erinnerung und Imagination: jedes Mal, wenn man gefragt wird „Woher kommst du?“, jedes Mal, wenn man Menschen trifft, die aus derselben Stadt kommen, oder der Stadt zumindest nahe genug ist, um zu wissen wie die Dinge zuhause gerade laufen. Ob das Haus noch gut in Schuss ist, ob die Straßen immer noch so schwer befahrbar sind, ob die Leute, die man als die eigenen kannte, noch so sind, wie man sich an sie erinnert? Nach Hause zurückkommen, durch das Erzählen von Geschichten, durch das Träumen, durch das Nachzeichnen der vielen Wege, durch die man versucht (oder es schafft) Zurückzukehren, durch das Verkörpern der verschiedenen Arten dieser Rückkehr.

Die Bedeutung der Rückkehr ist auch durch die multiplen Formen der Diaspora geprägt. Wie unterscheidet sich die Rückkehr derjenigen, die seit jeher andere Städte, andere Länder ihre Heimat nennen? Stellt das Zurückkehren in die Heimat der Eltern oder Großeltern für ImmigrantInnen der zweiten und dritten Generation denselben imaginativen und emotionalen Sprung „zurück nach Hause“ dar? Ist, in einer Welt der steigenden globalen Mobilität, die Sentimentalität des Zurückkehrens im Vergleich zu früheren Formen der Sehnsucht, noch gerechtfertigt? Wie kehren wir zurück? Und sollen wir das überhaupt?

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Jake Verzosa, Basketball Landscapes (Quezon City, Duterte Campaign Trail) 2016

Didto’s Amoa lädt diasporische KünstlerInnen ein, den imaginativen und ideologischen Status der Geste des Zurückkehrens zu befragen. Wir versammeln KünstlerInnen, die diesen Zustand des „Entfernt-Seins“ in seinen verschiedenen Formen besetzen. Die Ausstellung soll eine Konversation öffnen, die kritisch und imaginativ die Möglichkeiten und (vielleicht) Unmöglichkeiten des Versuchs der Rückkehr untersucht. Auf diese Weise versuchen wir, unser zeitgenössisches Verständnis der diasporischen Gegebenheiten zu erweitern indem wir unterschiedliche Arten des Begriffs „Heimat“ einbeziehen, definieren und hinterfragen sowie unsere unterschiedlichen Antworten auf das Bedürfnis verschiedenster Orte, die wir als unsere ansehen, als unsere „Heimat“ bestimmen – didto sa amoa, da wo wir herkommen.

Didto’s Amoa zeigt Arbeiten von Alyx Arumpac, Martha Atienza,  Enzo Camacho & Amy Lien, Jean Pierre Cueto, Eisa Jocson, Trinka Lat und Jake Verzosa.

Stephanie Misa ist eine bildende Künstlerin aus Cebu, die derzeit in Wien lebt und arbeitet, und Lawrence Lacambra Ypil ist ein Poet und Essayist aus Cebu, der gerade ein Writer-in-Residence am Yale-NUS College in Singapur ist.

Didto’s Amoa (Woher wir kommen)_VBKOE_2016_Foto Julia Gaisbacher, Bildrecht_01

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