Anna Artaker & Meike S. Gleim: WAS NIE GESCHRIEBEN WURDE LESEN

Ausstellung:
Anna Artaker & Meike S. Gleim
WAS NIE GESCHRIEBEN WURDE LESEN

Vernissage:
03.05.13, 19h

Ausstellungsdauer:
04.05.–18.05.13

Öffnungszeiten:
Do., Fr., Sa. 16h–19h Uhr

Führung durch die Ausstellung mit den Künstlerinnen und Roland Fischer-Briand, Mitherausgeber von Streulicht, am Samstag dem 18.05.13 um 17h.

Die Ausstellung WAS NIE GESCHRIEBEN WURDE LESEN ist die erste Präsentation des künstlerischen Forschungsprojekts ATLAS VON ARKADIEN.
Mit dem ATLAS VON ARKADIEN unternehmen Anna Artaker und Meike S. Gleim eine zweifache Übersetzung von Walter Benjamins Fragment gebliebenem „Passagenwerk“: Einerseits werden Motive dieser Benjaminschen Urbanismus- und Sozialgeschichte des 19. Jahrhunderts in die jüngste Vergangenheit übertragen – mit Fokus auf die Zeit nach dem Fall der Berliner Mauer. Andererseits wird Benjamins Exzerptensammlung – aus der das Passagenwerk ergänzt durch seine Kommentare im Wesentlichen besteht – in einen Bilderatlas übertragen. Benjamins Methode „(…) nichts zu sagen. Nur zu zeigen“ (GS V1, S. 574) wird beim Wort genommen, indem Artaker und Gleim anstelle von Texten Bilder sammeln, und die im Passagenwerk angewandte Methode der „literarischen Montage“ in eine vielgestaltige Montage vorgefundener Bildern übersetzen.

In der Ausstellung WAS NIE GESCHRIEBEN WURDE LESEN geht es darum, eine erste Lektüre dessen vorzunehmen, was man streng genommen nur betrachten kann: unsere Welt. Walter Benjamin interpretiert diese als Ensemble mimetischer Prozesse, das Lesen der Welt stellt sich als Nachahmung dar. Benjamin zitiert die Palme als Urform des Staubwedels, die Nike von Samothrake als Formgeberin des Haarföhns, Nutzbauten im Stile von Tempelbauten oder Mobiliar als Architekturzitat. Neue Materialien werden mit historischen bzw. aus der Natur stammenden Formen verbunden. Daraus ergibt sich die Wiederkehr oder das Nachleben des Alten im Neuen: ein Motiv das für Benjamin eine große Rolle spielt. Die Wiederkehr des Alten im Neuen birgt als Wunschbild sowohl das Potential, den Bruch mit der vermeintlichen Kontinuität der Geschichte zu befprdern – die französische Revolution etwa schmückt sich mit den Insignien des römischen Reichs, um sich so zu legitimieren – ist aber ebenso ein Mythen produzierendes Element, das Neues in Altes packt und so das Neue als bloße Fortsetzung des Alten verkauft.


Anna Artaker & Meike S. Gleim, PENDANTS, Serie von Puzzle-Paaren, verbunden durch Austausch von Puzzleteilen, Direktdruck auf Karton, jeweils 42 x 30 cm, 2012/13
Foto: Ulrich Dertschei

PENDANTS, 2012/13
Werkserie aus Bildpaaren, die ähnliche, meist architektonische Formen zeigen, die für antagonistische Inhalte stehen. Etwa der Entwurf für einen Kugelbau (1784) vom französischen Revolutionsarchitekten Claude-Nicolas Ledoux – dem utopischen Geist der Revolution verpflichtet – mit der Fotografie einer Radar-überwachungsanlage in Neuseeland, Teil des Spionagenetzwerks Echelon, das hier als die bittere Seite einer erfüllten Wunschvorstellung erscheint.
Jedes Bild ist als Puzzle ausgearbeitet, zwischen zusammengehörigen Bildern werden Puzzlesteine ausgetauscht, um die Bilder buchstäblich zu verknüpfen und einen Aspekt im jeweils anderen Bild aufzuzeigen (mehr dazu unter http://anthropologicalmaterialism.hypotheses.org/1742).


Anna Artaker & Meike S. Gleim, DOMINO (Interieurs), aneinandergereihte Ausdrucke auf Karton, verschiedene Formate, 2013
Foto: Ulrich Dertschei

DOMINO (Interiors), 2013
Die Arbeit besteht aus Bildern von Innen- und Außenräumen, die aneinandergereiht werden, indem Elemente, die in einem Bild am rechten Bildrand vorhanden sind (Garderobenständer, Stuhl, roter Möbelstoff etc.), sich in ähnlicher Form am linken Bildrand des anschließenden Bildes wiederfinden. Was bei diesem Bild rechts zu finden ist, bestimmt wiederrum die Anschlussfähigkeit zum nächsten Bild usw. Auf diese Art werden Räume miteinander verkettet und gleichzeitig ihre Differenzen zum Vorschein gebracht (siehe auch den Beitrag in Streulicht n°2, Wien 2013, erscheint am 17.05.2013).


Anna Artaker & Meike S. Gleim, WAS NIE GESCHRIEBEN WURDE LESEN, Ausstellungsansicht VBKÖ,
Wien 2013
Foto: Ulrich Dertschei

Anna Artaker, Studium der Philosophie und Politikwissenschaften an den Universitäten Wien und Paris 8 sowie der Kunst an der Akademie der bildenden Künste Wien. Seit 2000 zahlreiche Ausstellungsbeteiligungen und Einzelpräsentationen im In- und Ausland (zuletzt: 2012: History Lessons, MUMOK, Wien; 2010: Anna Artaker, Secession, Wien). Lebt in Wien.

Meike S. Gleim, Studium der Bildhauerei (Mag.) an der Akademie der bildenden Künste Wien sowie der Philosophie (Mag. und Dr.) an der Universität Wien. Zahlreiche Forschungsprojekte und Publikationen (u.a. Monografie: Die Regierung der Demokratie, Passagenverlag, Wien 2009; Herausgeberschaft: The Meaning of Europe, erscheint 2013 bei Routledge London) sowie Ausstellungsbeteiligungen. Lebt in Paris.
Gemeinsames künstlerisches Forschungsprojekt ATLAS VON ARKADIEN am Institut für Kunst- und Kulturwissenschaften an der Akademie der bildenden Künste Wien unterstützt vom FWF im Rahmen von PEEK, Programm zur Entwicklung und Erschließung der Künste. Siehe auch: www.anthropologicalmaterialism.hypotheses.org

Dieser Beitrag wurde unter Programm veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.