FRAUEN UND ARCHIV, KOLLABORATION UND REENACTMENT, KAPITAL UND COPYLEFT: 30. August – 3. Oktober 2012

OPEN MUSIC ARCHIVE

The Brilliant and The Dark

Frauen und Archive, Kollaboration und Reenactment, Kapital und Copyleft

Ein Projekt von Eileen Simpson & Ben White

ERÖFFNUNG: 30. August 19h
31. August – 3. Oktober 2012
Öffnungszeiten: Freitags (7. ,14.,21.,28.09) 17-19h und Samstags (8.,15.,22.,29.09) 16-19h
Dienstag (02.10) und Mittwoch (03.10) 17-19h

Das Projekt The Brilliant and the Dark (2010) untersucht die Urheber_innenrechte von Archivmaterialien und wie Open-Source-Methoden in breiter gefasste kreative Zusammenhänge übertragen werden können. Dabei verstehen die Künstler_innen das Archiv als Arbeitsmaterial, das von kollektiven Frauenstimmen neu aufgeführt (reenact) und und neu zusammengestellt (remix) wird. Im Zentrum der Arbeit steht die Idee, dass sich Künstler_innen/Autor_innen durch die Anwendung der viralen Logik des Copyleft von den Konditionen des Marktes loslösen können. Durch diesen Prozess sollen offene Zusammenarbeiten möglich gemacht werden, die unbekannte, unvorhersehbare Resultate und Potenziale generieren können.

Als Ausgangspunkt nimmt The Brilliant and the Dark eine gleichnamige Kantate für Frauenstimmen, die von Malcolm Williamson und Ursula Vaughan Williams komponiert und erstmals im Jahr 1969 von 1.000 freiwilligen Frauen in der Royal Albert Hall aufgeführt wurde.

Für die Arbeit verhandelten die Künstler_innen mit dem Inhaber der Urheber_innenrechte, dem Musikverleger Josef Weinberger, und sicherten sich die Erlaubnis, die Elemente der Originalpartitur von 1969  als Grundlage für eine neue Arbeit verwenden zu können. Sie luden den Frauenchor Gaggle dazu ein, an der Copyleft-Arbeit mitzuwirken, und im Rahmen dieser Arbeit das Neuaufführen (reenactment) und Neuzusammenstellen (remix) von aufgezeichneten Live-Aufführungen zu untersuchen. Das Ergebnis der Einladung ist eine neue Komposition für Frauenstimmen, die Songtexte, melodische Phrasen und Rhythmen aus dem Original verwendet und dabei das Opernformat nachzeichnet.

Im Kontext dieser Zusammenarbeit realisierten Simpson und White einen neuen Film, der die Methoden des Musikvideos aufgreift, Playback und Live-Lippensynchronisierung imitiert und sich die Taktiken von Promotionsmusikvideos aneignet. Das Video reanimiert die Performance von 1969 durch die Wiederaufführung von Situationen – von den Vorbereitungen hinter den Kulissen zu choreographierten Momenten der Live-Performance. Die Situationen sind Fotografien entnommen, die Teil der Sammlung der Women Library in London sind. Die neuen Kostüme und wiederhergestellten Requisiten der Performerinnen verweisen auf die Originale aus dem Jahr 1969. Das Reenactment des Archivs fand in der Women’s Library statt, in der das Ausgangsmaterial der neu entstandenen Arbeit aufbewahrt wird und die auch als Ort für den Videodreh verwendet wurde.

The Brilliant and the Dark wird für die VBKÖ neu konfiguriert: neben dem Film (2010) und dem Video der Liveaufführung des abendfüllenden Werks von Gaggle am ICA London (2011) werden Archivelemente zum Mitnehmen gezeigt. Schautafeln, die ein Storyboard aus Archivbildern der Performance aus dem Jahr 1969 zeigen, wurden in Farben angemalt, um Elemente aus dem Projekt Open Hearing der Künstlerin Marysia Lewandowska widerzuspiegeln. Open Hearing aktiviert die Rechtskämpfe von Frauen in Greenham Common (marysialewandowska.com) und wurde ursprüngliche neben The Brilliant and the Dark in der Women’s Library im Jahr 2010 gezeigt.



creative commons attribution share-alike 3.0
http://www.openmusicarchive.org/thebrilliantandthedark

Struggle In Jerash

R: Eileen Simpson und Ben White, 2009, 63 min.
Englisch

FILMVORFÜHRUNG 1. September 19:30h
TOP KINO, Rahlgasse 1, 1060 Wien
im Anschluss Q&A mit Eileen Simpson & Ben White und Dietmar Schwärzler (freier Kurator, Mitarbeiter von sixpackfilm)

Die sorgfältig zusammengestellten, neuen Voice-over-Kommentare zeitgenössischer jordanischer Denker_innen zu Jordaniens erstem Spielfilm “Struggle in Jerash” (R: Wassif Sheik Yassin, 1957), dessen letzte, überlebende VHS Kopie Simpson & White während einer Artist-in-Resdidence in 2008 auffanden, erschliessen den Film und bieten so Zugang zu einem Prozess der Selbstverständigung.

Reverse Engineering: The making of Struggle in Jerash ist eine überarbeitete Transkription (in Englisch) einer Reihe von Gesprächen zwischen dem Filmkritiker und Historiker Adnan Madanat und den Künstler_innen Eileen Simpson & Ben White in Amman, Jordanien, im Mai 2008. (Übersetzung von Abdullah Khasawneh)

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http://www.openmusicarchive.org/projects/index.php?title=Struggle_In_Jerash
In Kooperation mit TOP KINO.

Die Künstler_innen Eileen Simpson und Ben White arbeiten seit 2005 gemeinsam an Projekten zu Copyleft Material. In ihren Arbeiten entwickeln und erproben sie Methoden, um lizenzfreies, öffentlich verfügbares Material für eine zukünftige Verwendung aufzuarbeiten und zugänglich zu machen.

2005 gründeten sie das Open Music Archive, um nach Aufnahmen zu suchen die aus dem Copyright gefallen sind, und sie zu digitalisieren und zu verbreitet. Ihre Projekte reanimieren Archivmaterial und erproben die Anwendung von Open-Source-Modellen für die Produktion und Verbreitung solcher Arbeiten durch Veranstaltungen, Aufführungen und Aufnahmen, die sie in Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Partner_innen aus dem Kulturfeld produzieren.
Die neuesten Projekte inkludieren:  Song Division im Camden Arts Centre (2011), The Brilliant and the Dark in der Women’s Library London (2010), Struggle in Jerash in den Gasworks London / Makan Amman (2010), Parallel Anthology in der 17th Biennale of Sydney (2010), Free-to-air im ICA London (2008) und im Cornerhouse Manchester (2007). Siehe: www.openmusicarchive.org/projects

FRAUEN UND ARCHIV, KOLLABORATION UND REENACTMENT, KAPITAL UND COPYLEFT ist Teil von DIE VIELEN ARCHIVE!: Ein Projekt zu Archiven mit Ausstellungen, Workshops, Diskussionsrunden und einem Filmabend in der VBKOE von August bis Oktober 2012.

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